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30.05.2015

Sieg bei 1. Bodensee OPEN 2015 in Bregenz

Vergangene Woche fand das 1. Bodensee OPEN vom 09. bis 17.Mai 2015 in Bregenz statt. Gesetzt war ich(Elo-Zahl 2533) an Nr. 2 nach GM Philipp Schlosser (2577). Zum Turnier war ich mit einigen Schützlingen aus der Schweiz angereist, welche ich während des Turniers auf die Partien vorbereitet habe. Wir waren etwas abseits im nahe gelegenen Lindau auf einem Bauernhof untergebracht. Es war ein großzügiges Haus mit Außenpool und jeder Menge Sportmöglichkeiten. Ideale Nebenbedingungen für ein Schachturnier! Das Spiellokal haben wir mit dem Auto erreicht.

Runde 1:

 

Gleich zu Beginn des Turniers gab es ein Duell Schüler vs. Mentor. Ich bekam Schwarz gegen Vincent Lou. Er ist bei mir im Schachkurs an der ETH in Zürich, welcher wöchentlich am Mittwoch um 18.00 Uhr stattfindet. In der Eröffnung kamen wir zu einem Königsinder mit 5. h3. Ich wählte die etwas untypischere Fortsetzung c5. Vincent entschied sich anschließend für den Maróczy-Aufbau. Schwarz bekam eine Drachenstruktur.

Mir gelang es schnell einige Figuren abzutauschen und anschließend meinen „schlechten“ Läufer gegen seinen „guten“ Springer zu tauschen. Er erhielt dafür die bessere Bauernstruktur und ich verblieb mit der besseren Leichtfigur (Springer gegen Läufer) auf dem Brett. Nach einigen Ungenauigkeiten konnte ich die Initiative in der Partie übernehmen. Als ich die H-Linie zum Königsangriff öffnete, gab es kein Entkommen mehr – 0:1. Am Abend haben wir noch Fußball gespielt und uns mit einem leckeren Essen vom „Koch“ gestärkt.

Runde 2:

 

Ich hatte Weiß gegen Emilian Hofer, welcher letztes Jahr gegen einen von meinen Schülern in Liechtenstein remis gespielt hatte. Mein Gegner wählte die Schlechter-Variante in der slawischen Verteidigung. Diese Variante hatte ich bisher selten auf dem Brett. Ich spielte einen etwas anderen Plan mit b3 nebst La3 statt des normalen Db3,Ld2 mit dem Plan Tfc1 nebst Sb5, da ich vor kurzem eine Partie von Carlsen verfolgt hatte und er diesen Plan wählte. Allerdings wurde von Schwarz b6 eingeschoben, was mir erst später während der Partie eingefallen ist. Ich erhielt einen A-Freibauern und mein Gegner einen Zentrumsbauern. Da sich der A-Bauer als schwach erwies, konnte mein Gegner die Kontrolle im Zentrum übernehmen und in Vorteil kommen. Meine Figuren waren damit beschäftigt, den A-Bauern nach vorne zu bringen und somit verlor ich die Kontrolle über die Zentrumsfelder. In knapper werdender Bedenkzeit opferte mein Gegner etwas unnötig eine Qualität, um meine schwarzen Felder zu schwächen. Ich widerlegte dieses Opfer und gewann die Partie. Puh, nochmal Glück gehabt!

 

Runde 3:

 

In Runde drei traf ich auf den Holländer Bezemer,Arno, welcher letztes Jahr in Liechtenstein gegen meinen Vater gewonnen hatte. Für mich war also die Aufgabe ganz klar: Revanche! Ich hatte - wie mein Vater - die schwarzen Steine und war auf 1. d4 vorbereitet. Mein Gegner überraschte mich mit 1. e4. Ich versuchte, seiner Vorbereitung aus dem Weg zu gehen und wählte in der sizilianischen Eröffnung den eher etwas untypischen Zug 2. ....a6. Er verlor bereits einige Zeit in der Eröffnung, um einen Aufbau zu wählen.

Nach der Eröffnung stand ein Isolani auf dem Brett, welcher später zu hängenden Bauern transformiert wurde. In Zeitnot konnte ich ihm einige praktische Schwierigkeiten bereiten, welche er nicht alle meistern konnte. Er stellte im 27. Zug eine Figur ein und gab sofort auf – 0:1.

 

Runde 4:

 

Ich spielte mit Weiß gegen Marcel Becker. Die Vorbereitung auf diese Partie dauerte nicht sehr lange, da mein Gegner nicht viel Schach spielt und kaum aktuelle Partien in der Datenbank hatte. Es kam zu einem Slawen mit 4. …dxc4 und ich wählte einen ruhigen Aufbau mit 9.g3. Nach der Eröffnung hatte ich bequemen Raumvorteil und das Läuferpaar, allerdings war die schwarze Stellung sehr solide. Nach einem interessanten Mittelspiel konnte ich ein starkes Bauernzentrum etablieren und den gegnerischen Läufer stark eingrenzen. Kurz vor der Zeitkontrolle konnte mein Gegner seine Probleme nicht lösen und ich konnte die Partie für mich entscheiden. Vier aus Vier, ein guter Start ins Turnier! Zur Feier des Tages haben wir am Abend noch einige Runden Tischkicker gespielt. Es gab auch eine Witze-Runde von Javier und Vincent, welche für gute Stimmung sorgte!

 

Runde 5:

 

Wohl die wichtigste Runde für mich, meine Paarung lautete mit Schwarz gegen Philipp Schlosser, welcher bis zur 5. Runde bereits einen halben Zähler abgegeben hat. Philipp kenne ich bereits seit meinen Anfängen im Schach, da er früher Landestrainer in meiner Region war. Wir hatten wöchentlich einen Schachkurs in Pforzheim, wo er mit uns trainierte.

Ich wählte die Slawische Verteidigung mit 4... Lf5 und 5... a6. Philipp wählte eine ruhige Fortsetzung und spielte mit 6.Ld3. Nach der Eröffnung hatte ich eine Mehrheit am Damenflügel gebildet, welche eine zweischneidige und spannende Partie versprach. Philipp verpasste eine Chance, in Vorteil zu kommen und konnte keinen weiteren Druck mehr aufbauen. Als die Damen getauscht wurden, blieb ihm nichts Besseres als die Züge zu wiederholen. Ein wichtiges Remis auf dem Weg zum Turniersieg!

 

Runde 6:

Mit Weiß gegen Großmeister Sergeev. In der Vorbereitung stellte ich fest, dass mein Gegner praktisch fast jede Variante gegen 1. d4 probiert hatte, sodass meine Vorbereitung eher kürzer ausfiel als gewohnt. Mein Gegner wählte die Alt-Benoni-Variante, um mich auf anderes Terrain zu führen. Diese Stellungen sind etwas besser für Weiß, da man einen angenehmen Raumvorteil besitzt. Im Mittelspiel konnte ich ein gefährliches Bauernzentrum errichten und meinen Gegner unter Druck setzen. In der Folge hatte ich mehrfach Gelegenheit, die Partie zu gewinnen, habe es aber am Brett nicht gefunden. Mein Gegner fand eine Reihe von guten Verteidigungszügen und es schien, als könnte ich sein Bollwerk nicht durchbrechen. Nach einer Abwicklung habe ich mir nur den kleinen Vorteil von Turm + Läufer gegen Turm + zwei Bauern sichern können. Die Bauern konnte ich ohne weiteren Figurenabtausch erobern, was mir noch zu Gewinnchancen verhalf. Mein Gegner fand bei knapper werdender Zeit keine adäquate Verteidigung und verlor seinen Turm nach 126 Zügen - 1:0!

 

 

 

Runde 7:

 

Schwarz gegen FM Dieter Knoedler. Gegen Knoedler habe ich bereits in der SMM 2014 gespielt und bin nicht über ein Remis hinaus gekommen, da ich in Gewinnstellung in eine dreifache Zugwiederholung gelaufen bin. Ich habe mich gegen seinen englischen Aufbau gut vorbereitet und konnte ihn mit einer neuen Idee überraschen. Ich opferte früh einen Bauern für gute Entwicklung und ein starkes Bauernzentrum. Er fand einige präzise Züge und erhielt leichten Vorteil. Da meine Figuren sehr aktiv waren, hatte ich dennoch eine gute Kompensation. Als seine Zeit knapp wurde, verschlechterte sich seine Stellung dramatisch. Nach der Zeitkontrolle hatte ich eine Figur mehr und einen starken Freibauer, welcher wohl noch eine Figur kosten würde. Seine einzige Chance waren seine aktiven Türme auf der siebten Reihe, welche auf Dauerschach lauerten. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass mein Gegner jeden Moment aufgibt, was auch bei der Analyse nach der Partie durch die Computerbewertung bestätigt wurde. Ich fand nicht den besten Gewinnweg und hatte schließlich ein Endspiel mit Turm + Springer + Bauer gegen Turm + zwei Bauern, welches leicht gewonnen sein sollte. Leider stellte ich meinen hoffnungsvollen letzten Bauern ein, sodass ich nur Turm + Springer gegen Turm erzielen konnte. Schon wieder eine Marathon-Partie! Diesmal gelang es mir nicht, die Partie zu gewinnen, da ich mit dem Springer keine ernsthaften Probleme stellen konnte. Nach 113 Zügen Remis.

 

Runde 8:

 

Weiß gegen Großmeister Galdunts,S. Ich wählte die katalanische Eröffnung gegen das solide Damengambit und konnte Galdunts bereits in der Eröffnung unter Druck setzen. Er wählte den Bauerngewinn auf c4, wonach ich das Zentrum eroberte und einen Durchbruch auf d5 initiieren konnte. Als sich die Stellung öffnete, bekam ich den Bauern zurück und meine Figuren standen aktiver. Im weiteren Verlauf habe ich einen Bauern gewonnen und wir kamen in ein dynamisches Springer + Turm Endspiel. Vor der Zeitkontrolle verlor Galdunts einen weiteren Bauern, welches seine Niederlage besiegelte.

Eine gute Ausgangslage für die letzte Runde. Ich führte mit einem halben Zähler vor Schlosser und hatte dazu noch die deutlich bessere Zweitwertung.

Runde 9:

 

In der letzten Runde traf ich mit den schwarzen Steinen auf den titellosen Fabian Matt, gegen den ich bereits im Februar in Graz gespielt hatte. Nach der Eröffnung stand Weiß besser und ich konnte keinen Weg finden, ernsthafte Probleme zu bereiten. Er verstärkte geschickt den Druck am Königsflügel, welches zu einem groben Fehler meinerseits führte. Er konnte einen Turm auf f6 opfern und in eine Gewinnstellung überleiten. Ich verteidigte mich noch so gut es ging, musste dann allerdings mit drei Bauern weniger in ein Endspiel Turm + ungleichfarbige Läufer gehen. Da seine Bauernstruktur anfällig war, konnte ich zwei Bauern zurückgewinnen und hatte wieder Remischancen. Da er nach der Zeitkontrolle keinen Weg fand, auf Gewinn zu spielen, haben wir uns auf Remis geeinigt. An Brett 2 gewann Schlosser seine Partie und konnte zu mir aufschließen. Dank meiner besseren Zweitwertung wurde ich Turniersieger! Die letzte Runde war ein wirklicher Nervenkitzel, da ich wohl völlig auf Verlust stand. Schade eigentlich, mein Ziel von 8 Punkten konnte ich damit nicht erreichen, was jedoch bei besserer Ausnutzung der vorhandenen Chancen sicherlich möglich gewesen wäre.

Mein nächstes Turnier wird die Schweizer Einzel - Meisterschaft im Juli sein. Es findet in Leukerbad vom 09.07-17.07. statt.

 

 

 

 

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