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25.04.2015

2. Platz bei der IDJM 2015 in Ströbeck

 

 

Vor wenigen Tagen endete die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft in Ströbeck. Sicher werden sich nun einige fragen, wo liegt denn eigentlich Ströbeck? Dies war auch mein erster Gedanke, als ich eine Einladung von Bernd Vökler erhalten hatte. Ich kann es euch nach dieser Woche sagen! Das kleine 1.150 Einwohnerdorf liegt in der Nähe von Halberstadt und Blankenburg in Sachsen-Anhalt , ca. 60 Km west/südwestlich der Landeshauptstadt Magdeburg!

 

Das Schachdorf Ströbeck lud vom 13. bis 20. April  zehn junge Schachspieler/innen ein. Ziel war es, jungen deutschen Nachwuchstalenten die Chance zur Erzielung einer IM-Norm oder sogar GM-Norm zu geben. Ich startete auf Rang 4 hinter den nach Elo-Zahl etwas stärker eingeschätzten Großmeisterkollegen in das Turnier. Die Spieler inkl. mir waren außerhalb in Blankenburg  -ca. 20 Km vom Spielort entfernt -untergebracht. Ein „Shuttle“ brachte uns jeden Tag zum Spielsaal in Ströbeck. 

 

Das Turnier begann am ersten Tag mit einer kleinen Überraschung. Anstatt den Laptop auszupacken und mit der Vorbereitung zu beginnen, mussten wir die Unterkunft wechseln, da die benötigten Zimmer in dieser Woche nicht frei waren. Wieso diese nicht im Vorfeld gebucht worden waren, konnte mir keiner genau erklären. Nun denn - die organisatorischen Aspekte ließen noch zu wünschen übrig. Genug mit dem Drumherum: Auf zur ersten Runde!

In der 1. Runde hatte ich Schwarz gegen Roven Vogel. In der Partie hatten wir die Fianchetto- Variante im Königsinder auf dem Brett. Roven wählte eine der Hauptfortsetzungen. Da ich meinen Gegner etwas von der Theorie abbringen wollte, entschied ich mich für einen etwas anderen Aufbau. Es entstand nach 16 Zügen eine etwas kuriose Bauernstruktur; Als Kompensation hatte ich einen starken Springer auf d4. Dennoch wurden meine Bauernschwächen eher zum Nachteil und ich stand im weiteren Verlauf etwas schlechter. Vor der Zeitkontrolle beging mein Gegner einen kleinen Fehler, da er die falsche Leichtfigur von mir tauschte. Nach einigen genauen Zügen gewann ich die Partie überzeugend.

 

In der  2. Runde ging es gegen meinen Zimmerkollegen Rasmus Svane. Auf diese Partie bereitete ich mich nicht großartig vor, da ich nicht sicher war, welche Eröffnung er wählen würde. In der Eröffnung begann ich wie gewohnt mit 1.d4, er erwiderte mit 1. …d5. Er entschied sich also für seine Hauptwaffe: Die Slawische Verteidigung. Wir spielten eine der Hauptvarianten und ich schien besser vorbereitet zu sein als mein Gegner. Ich konnte durch meinen Zeitvorteil starken Druck auf meinen Gegner aufbauen, welcher zum frühen Materialvorteil von zwei Bauern führte.

 

In der 3. Runde ging es gegen das Nachwuchstalent Dmitrij Kollars, welcher bis dahin noch keinen Punkt erzielen konnte. Wir spielten eine sehr lange Partie, in der ich frühzeitig einen Bauern gewinnen konnte. Das Turmendspiel versuchte ich noch bis zum 77. Zug zu gewinnen, musste dann aber am Schluss ins Unentschieden einwilligen, da eine theoretische Remis-Stellung entstanden war.

 

 

Am Morgen der vierten Runde konnte ich mit Daniel Wanzek und Toni Sandmeier einen kleinen Abstecher auf die Festung Regenstein machen. Etwas Kultur gehört schließlich auch zu einem Schachturnier!  

 

In der 4. Runde spielte ich gegen den starken Polen Kacper Piorun. Er hatte bisher sehr souverän gespielt  und alle Partien gewonnen. Auf mein 1.d4 spielte er die Leningrader Eröffnung. Diese Eröffnung ist momentan sehr in Mode und wird gerne von den Topspielern gewählt, um mit Schwarz auf Gewinn zu spielen. Es kam zu einer Theorievariante, in der sich mein Gegner sehr gut auskannte. Sein Zeitvorsprung war nach 15 Zügen auf fast eine Stunde angewachsen. Nach der Partie sagte er mir, dass er diese Variante am vergangenen Samstag mit Weiß auf dem Brett hatte. Hätte ich das mal vor der Runde gewusst! Bereits im 16. Zug stand das Brett in Flammen und meine Figuren bildeten ein Knäuel in der Mitte des Brettes. Als der Rauch sich verzog, stand ein sehr interessantes Endspiel auf dem Brett. Ich wusste nicht, wie dieses einzuschätzen war, konnte jedenfalls  in der Partie aber auch keinen Nachteil für mich feststellen. Später erhielt ich ein minimal besseres Endspiel, welches ich nicht wirklich ausnutzte, um Druck aufzubauen. Nach 37. Zügen endete die Partie mit Remis. Mit diesem Ergebnis kann ich wohl doch zufrieden sein, wie die nachträgliche  Analyse mit einem Schachprogramm (engine)  erbrachte.

 

Die 5. (und 6. Runde) war eine Doppelrunde wie Partien zwei und drei. Dies hatte bereits an meinen Kräften gezehrt. Gegen Jonathan Carlstedt stand ich bereits nach der Eröffnung mit Schwarz etwas besser und dann im Laufe der Partie mehrmals auf Gewinn. Leider habe ich den sogenannten „Headshot“ ausgelassen und verrechnete mich später. Zum Glück konnte ich mich noch ins Dauerschach retten – Remis.

 

In der 6. Runde ging es gegen den Elo-Favoriten Andrey Vovk. Die Partie begann wieder mit der Leningrader Eröffnung und ich baute mich mit einem soliden Doppelfianchetto auf. Nach 15 Zügen kam es zum Remis durch Zugwiederholung, um Kraft für die weiteren Runden zu sparen. Die gastfreundlichen Ströbecker haben mich nach meiner kurzen Partie gegen Andrey Vovk zum Volleyballtraining eingeladen:

 

In  Runde 7 spielte ich mit Schwarz gegen den Isländer Gudmundur Kjartansson. Nach seiner etwas passiven Eröffnungswahl konnte ich bereits kleine Vorteile ansammeln. Nach präzisen Zügen gelang es mir, die desolate Eröffnungsbehandlung meines Gegners zu bestrafen und gewann die Partie überzeugend.

 

Die 8. Runde brachte die wohl spannendste Partie meiner neun Spiele. Die Eröffnung verlief gut für mich und ich konnte in ein etwas besseres Endspiel überleiten. Das Figurenverhältnis lautete schließlich Turm + zwei Bauern gegen Springer + Läufer. Romanov konnte eine Festung errichten und meine Bauern am Vorgehen hindern. Als er meine Bauern am Königsflügel fixiert hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mit einer studienartigen Schlußkombination ins Remis abzuwickeln.

 

 

Die Partie der  9. Runde war mit Abstand meine schlechteste Leistung. Vielleicht spielte auch das am Vorabend organisierte Blitzturnier sowie meine lange Partie gegen Romanov eine mitentscheidende Rolle dafür, dass ich in der Partie so gar nichts „ auf die Reihe“ bekam. Mitkonkurrent Romanov verlor zu meinem Glück auch seine Partie und dadurch wurde ich - trotz meiner Letztrundenniederlage - noch mit dem zweiten Platz belohnt!

 

 

 

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Zuletzt bearbeitet am 03.05.2015 um 17:37